Marc Boeker
Cloud Backup

Brauche ich ein Team oder kann ich auch alleine gründen?

Brauche ich ein Team oder kann ich auch alleine gründen?

Wenn man sich die Kriterien der Venture Capital Unternehmen anschaut, nach denen diese Startups auswählen, in die sie investieren, wird man den Punkt „Team“ ganz oben finden. Außerdem liest man immer und überall, dass das Team viel wichtiger sei als die Idee. In diesem Post möchte ich genauer erklären, wieso das falsch ist und warum man auch alleine gründen kann.

Dieser Post gehört zu folgender Serie über die Gründung von WeLoveBackups.

Was macht denn ein gutes Team aus?

Zuerst mal sollte man sich anschauen, was denn überhaupt aus einem normalen Team ein super Team macht, in das die VC Geber so gerne investieren.

Spontan habe ich diese Punkte gefunden:

  • Blindes Vertrauen zwischen den Gründern
  • Ergänzende Kompetenzen
  • Gegenseitige Motivation in schwierigen Zeiten
  • Konstruktive Diskussionskultur und Kompromissbereitschaft
  • Eine gemeinsame Vision und ein gemeinsames Ziel

Und natürlich, wenn sich ein Team gefunden hat, dass genau diese Eigenschaften aufweist und sich gegenseitig ergänzt, dann ist das super. Aber das weiß man erst nach einer gewissen Zeit. Am Anfang hat man meist immer die rosarote Startup Brille auf. Aber wenn es mal schwieriger wird, merkt man erst richtig, ob das Team wirklich so optimal ist oder ob die einzelnen Teammitglieder nur gerne ihren eigenen Willen durchsetzen möchten. Die Wahrscheinlichkeit, dass man von Anfang an ein Team findet, dass zu 100% an einem Strang zieht und sich super versteht, ist sowieso illusorisch.

Ein breit aufgestelltes Team ist viel schneller?

Ein weiterer Mythos ist, dass ein breit aufgestelltes Team viel mehr erledigen kann im Vergleich zu einem einzelnen Gründer. Und klar, 10 Hände schaffen den Abwasch schneller als zwei Hände. Aber das heißt noch lange nicht, dass ein einzelner Gründer langsam sein muss. Denn er kann zum Beispiel die Aufgaben rausgeben, die normalerweise ein Teammitglied machen würde. Hat man z. B. im Team einen für die Technik, kann der einzelne Gründer die Entwicklung auch an einen Dienstleister rausgeben und muss sich dann nur noch um das Briefing kümmern. Das ist zwar keine 100% Arbeitserleichterung, dafür spart sich der einzelne Gründer dann aber auch die Diskussionen, die normalerweise im Team stattfinden können, wenn unterschiedliche Meinungen aufeinander treffen.

Am Anfang hat der Einzelgründer sicher mehr Stress, da er sich um alles selbst kümmern muss. Aber das hat auch einen riesen Vorteil: Denn wenn man alles einmal selbst gemacht hat, dann weiß man, auf was man achten muss, wenn man jemanden für diese Position einstellt. Man hat auch ein viel besseres Gespür dafür, wie aufwendig, kompliziert oder anspruchsvoll eine Aufgabe ist und kann dies dann später besser wertschätzen, wenn man es abgeben kann.

Teams bergen auch ein Risiko

Ein weiteres Problem, dass viele unterschätzen, ist, dass ein Team auch intern Meinungsverschiedenheiten haben kann, die eskalieren können. Und dann geht es nicht mehr nur um die eigentliche Sache (die Startup Idee), sondern um Emotionen. Und das kann dann schnell zu Konflikten führen. Und gerade wenn man gründet, ist man weniger ausgeglichen als im normalen Alltag. So schaukeln sich dann Konflikte zu Streitigkeiten hoch, die das Team und damit die Idee gefährden können. Ein Problem, das gerne am Anfang unterschätzt wird. Immerhin ein Viertel der Gründungen scheitert am Team, wie man hier lesen kann.

Ein Superhero Team ist total hip

Wenn man die einschlägigen Ratgeber zum Gründen liest, stolpert man immer wieder über die gleichen Vorurteile:

  • Wer ohne Team gründet, ist ein Egoist und Einzelgänger. Er wird später Schwierigkeiten in der Mitarbeiterführung und dem Delegieren von Aufgaben haben.
  • Jemand, der ohne Team gründet, kann Aufgaben nicht abgeben und ist nicht kompromissbereit.

Es scheint so, als wäre es gerade hip, immer alles in einem Friede-Freude-Eierkuchen-Team machen zu müssen. Und wenn man sich dem nicht anschließt, dann hat man ja von Haus aus schon mal schlechtere Karten bei den VC Gebern. Hier kann ich beruhigen, denn jeder der nur darauf abzielt, später möglichst einfach Venture Capital einsammeln zu wollen und daher als Team gründet, hat sowieso etwas falsch verstanden und sollte besser im Bett liegen bleiben. Das ist eine komplett falsche Motivation. Es zählt einzig und alleine die Umsetzung der Idee und da ist es egal, ob das ein Team oder ein einzelner Gründer war. Es gibt auch viele Beispiele von sehr erfolgreichen Unternehmen, die von einem Einzelgründer gestartet wurden, wie z. B. Amazon.

Einzelgründern droht die Gefahr, sich zu verrennen

Auch ein häufig genanntes Vorurteil ist, dass ein Einzelgründer ja nie mit jemandem über irgendetwas diskutieren muss und so schnell betriebsblind werden kann. Und in der Tat ist Betriebsblindheit ein großes Risiko beim Gründen, weil man sich gerne verrennt. Aber das kann genauso gut einem kompletten Team passieren. Daher ist es viel wichtiger, einen regelmäßigen Austausch mit den Kunden zu führen. Denn diese helfen einem, die Sicht von außen nicht aus den Augen zu verlieren. Ich habe in der Beta-Phase von WeLoveBackups Kunden gefunden, die Lust und Spaß hatten, mir ständig Feedback und Anregungen zu geben. So habe ich nicht ganz blind drauf losentwickelt, sondern wusste, was meine Kunden brauchen. Und Ideen, von denen ich begeistert war, haben sich im Gespräch mit dem Kunden als totale Schnapsidee herausgestellt.

Fazit

Im Vordergrund einer jeden Gründung steht die Idee und deren Umsetzung. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich es alleine besser hinbekomme, als im Team, dann sollte ich das auch alleine machen. Stelle ich später fest, dass ich doch dringend jemanden benötige, der mich ergänzt, kann ich mich immer noch auf die Suche machen, weiß aber dann ganz genau, wen ich suche. Vielleicht trifft man sogar während der Umsetzung jemanden, der die gleiche Begeisterung teilt, wie man selber und den man sich gut als Kollegen vorstellen kann. Hier sollte man aber nicht vorschnell handeln und diesen blind mit Anteilen ausstatten, sondern erstmal einen Test machen, um zu sehen, ob der-/diejenige wirklich zu einem passt und auch die gleiche Motivation teilt. Und wenn man dann nach einer gewissen Zeit immer noch ein gutes Gefühl hat, kann man ja über einen Einstieg des-/derjenigen nachdenken. Aber bitte nicht direkt 50% der Anteile abgeben, sondern mit einem deutlich geringeren Prozentsatz anfangen, da man ja schon die ganze Vorarbeit geleistet hat.

Source: pixabay.com

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